Geheimnisse in der Beziehung

Geheimnisse in der Beziehung.

„So schwer drückt nichts wie Geheimnisse drücken“, fand schon der SPD-ler Oskar Lafontaine (*1943). 

Doch sollten Liebende nicht auch ein paar Geheimnisse und Heimlichkeiten für sich behalten dürfen? Muss in einer Beziehung tatsächlich alle Geheimnisse aufgedeckt werden? Gibt es nicht auch Dinge und Begebenheiten, die irrelevant für den Liebsten/die Liebste sind und ihn/sie nur belasten würden?

Auf die Art des Geheimnisses kommt es an

Offenheit und Vertrauen sind natürlich überaus wichtig in einer Liebesbeziehung. Gewisse Begebenheiten oder Tatsachen jedoch nicht zu erwähnen, kann eine Partnerschaft wahrscheinlich auch harmonischer verlaufen lassen. Natürlich kommt es auf die Art der Geheimnisse an und wie schwerwiegend sie ist. Wichtig ist aber wohl vor allem, wie sehr sie den anderen und die gemeinsame Beziehung tatsächlich betrifft.

Genaue Beschreibungen, wie das Zusammensein mit dem/der Ex-Partner/in war, schmerzen den Partner z.B. mehr als dass sie seine Neugier befriedigt. Vor allem, wenn es positive Erzählungen sind. Wer will schon wissen, wie leidenschaftlich die Ex/der Ex im Bett war oder wie sehr man sich am Anfang geliebt hat? Solche Berichte sollte jeder für sich behalten. Es tut nichts mehr zur Sache, verletzt den Partner und trübt die neue Beziehung zu sehr.

Manche Begebenheiten sollte man auch aus Takt nicht erzählen. Kümmert sich z.B. die Frisörin jedes Mal besonders aufopfernd und scheint ein wenig vernarrt in einen zu sein, so sollte man das nicht unbedingt seiner Partnerin erzählen. Vor allem, wenn man weiß, dass sie eifersüchtig reagieren würde. Der Frisörin so nebenbei von dem letzten schönen Urlaub zu erzählen und die Freundin in der Erzählung einzubauen, müsste normalerweise reichen, um die Dame abzukühlen. Die Freundin zuhause damit verrückt zu machen und damit einen Streit heraufzubeschwören, ist absolut nicht nötig.

Sie sollten jedoch kein Geheimnis daraus machen, wenn sie finanzielle Schwierigkeiten oder Geldprobleme haben. Schulden betreffen beide, vor allem, wenn man verheiratet ist und die gemeinsame Existenz auf dem Spiel steht. Zudem sollten Partner ihre Erkrankungen nicht verschweigen. Sie betreffen den Partner mit. Ebenso plötzliche Arbeitslosigkeit oder eine Sucht, der man verfallen ist. Sobald der Partner mit betroffen ist, sollte sich das Verheimlichen aufhören. Ebenso dürften schlimme Kindheitserlebnisse (Misshandlung, Missbrauch, Unfall), deren Folgen teilweise im Erwachsenenleben erkennbar sein werden, dem Partner nicht verschwiegen werden.

Hat man sich ernsthaft in eine andere Person verliebt, so hat auch hier der Partner das Recht, es zu erfahren. Ob man einen Seitensprung beichtet oder nicht, wird jeder für sich entscheiden müssen. Vor allem aber sollte man sich die Frage stellen, wie gut es mit einer Beziehung steht, in der man es zuwege bringt, den Partner zu hintergehen.

Abwägen, was gesagt gehört und was nicht

Ob man nun ein „Geheimnis“ erzählt oder nicht, kommt also vorwiegend darauf an, wie sehr es den anderen betrifft. Bevor man von einer Begebenheit zu berichten beginnt, sollte man abwägen, wie sehr es den anderen verletzen wird. Wie sensibel ist der Partner? Ist es für ihn überhaupt relevant? Würde man selbst es vom anderen wissen wollen?

Schweigen ist manchmal besser

Jede Person sollte trotz eingegangener Beziehung ihre Intim- und Privatsphäre schützen, ohne natürlich Gravierendes zu verheimlichen. Gerade diese Freiräume und die ausgewogene Abwechslung zwischen ausgesuchter Distanz und inniger Nähe halten eine Partnerschaft lebendig. Vertrautheit: Ja! – Alles wissen: Nein! Zudem kann keinerlei Langweile aufkommen, wenn den Partner und seine Vergangenheit immer ein leichter Wind des Mysteriums umweht. Und: „Schweigen ist die Muttersprache der Weisen“, sagte einst auch der irische Dichter Oliver Goldsmith (1728-1774).

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